Habitat Unit

M.Sc. Architecture, 2026
Lorenz Hahnheiser, Teresa Immler
Supervision: Prof. Dr. Anke Hagemann, Prof. Nina Gribat

Stabil bleiben 
Demokratische Wehrhaftigkeit in Weißwasser und im Architekturberuf

Es ist eine strategische Raumnahme der extremen Rechten zu beobachten mit weitreichendem Zugriff auf die architektonischen Disziplinen: In Wahlprogrammen und Strategiepapieren, in Kommunalparlamenten und im ländlichen Raum blockieren sie progressive Entwicklungen, machen demokratiefördernden Projekten die Mittel streitig und vereinnahmen Kulturorte mit völkischer Ideologie. Wo demokratische Akteur:innen Gelegenheitsräume offenlassen, werden diese besetzt. Die Häuser, die wir bauen, wählen zwar nicht – aber es sind Orte, an denen politische Ideologien physisch manifest und erlebbar werden. Worte allein bilden keine Brandmauer. Dass Planende entlang des gesamten Spektrums ihres Schaffens über Handlungsspielräume einer wehrhaften, demokratischen Architekturpraxis verfügen, belegt die Masterarbeit „Stabil bleiben: Demokratische Wehrhaftigkeit in Weißwasser und im Architekturberuf“ von Teresa Immler und Lorenz Hahnheiser. 

Über die Demaskierung rechter Stadttheorie und -praxis, eine empirische Feldforschung im Lausitzer „Brennglas“ Weißwasser sowie qualitative Leitfadeninterviews mit Akteur:innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis legt die Untersuchung neurechte Raumnahmemuster offen und identifiziert konkrete Gegenhebel einer wehrhaften Architekturpraxis. Das Ergebnis ist ein chronologisches 6-Phasen-Modell mit 39 architektonischen Strategien demokratischer Wehrhaftigkeit. Es zeigt auf, wie Planende den weit verbreiteten Dienstleistungsfatalismus überwinden und ihr Handwerk – von den prä-architektonischen Rahmenbedingungen über die eigene Initiativpraxis und die Demokratisierung von Entwurfsprozessen bis zur post-architektonischen Nutzung – als aktives Werkzeug zur Verteidigung einer offenen, pluralistischen Gesellschaft einsetzen können.

Auf diesen Forschungsergebnissen basiert der Offene Brief „Gestaltungsraum verteidigen“ (DAB 2026 Q3). Er richtet sich als Appell an die Fachöffentlichkeit, Kammern und Verbände und fordert eine wehrhafte „Berufs-Statik“ in der alltäglichen Planungspraxis, der Manifestation demokratischer Architekturen und durch politische Haltung der Verbände.

Die breite Resonanz zeigt, dass der Berufsstand bereit ist, Verantwortung zu übernehmen: Maßgebliche Institutionen und Netzwerke – darunter BAK, BDA, nexture+, A4F und DARL – unterstützen die Initiative und beziehen in offiziellen Stellungnahmen Position für eine wehrhafte Baukultur (gestaltungsraumverteidigen.com).

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